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Intergeo 2017 - Berlin

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Die diesjährigeINTERGEO fand zusammen mit dem Kartographie Kongress vom 26. bis 28. September 2017 in Berlin statt.

@ BLE, 2017
@ BLE, 2017

Die diesjährige INTERGEO, Kongress und Leitmesse im Bereich Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, fand in der Messe Berlin statt. Hier trafen sich Beteiligte aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zum gegenseitigen Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und Kennenlernen zukunftsweisender Technologien.

Auf der weltweit größten Fachmesse der Geospatial Community bietet sich den über 17.000 Besuchern aus mehr als 100 verschiedenen Ländern eine umfangreiche Ausstellung. Die 577 Aussteller aus den Bereichen der Vermessung, Geoinformation, Kartographie Fernerkundung und Photogrammetrie ließen einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen zu und stellten ihre neuesten Technologien vor. Eine ganze Halle beschäftigte sich mit „Interaerial Solutions“, den neuesten Entwicklungen und Technologien rund um den Markt und die Möglichkeiten von Drohnen, UAVs (Unmanned Aerial Vehicles), Coptern und Multicoptern. Auch den „Smart City Solutions“ wurde eine Halle gewidmet, wobei es hier um die Gestaltung und die Möglichkeiten des städtischen Lebensraums im digitalen Zeitalter von morgen ging.

Digitalisierung ließ sich in allen Bereichen des Kongresses und der Fachmesse wiederfinden. Es zeichnet sich ab, dass die Digitalisierung und ihre Innovationen Einzug in alle Lebensbereiche, die Arbeitswelt sowie das Finanzwesen finden werden. Im Bereich des Bauwesens laufen die ersten Pilotprojekte zu „Building Information Modelling“ (BIM), einer digitalen Planungs- und Baumethode, die es in Zukunft ermöglichen soll, in einem offenen, virtuellen System alle Beteiligten eines Bauprozesses sowie die Arbeitsprozesse gleichzeitig, medienbruchfrei und durchgängig digital zusammenwachsen zu lassen. Hierbei wird nicht nur in einer digitalen 3D-Welt gearbeitet, sondern es werden auch gigantische Datenmengen (Big Data) miteinander verknüpft.

Dieser Transformationsprozess hin zu einer digitalen Welt wirft einige Fragen auf. Im Folgenden einige zur Anregung: Sind wir im Berufsleben ebenso offen für Innovationen und Veränderungen wie im Privatleben? Wie gehen wir mit Big Data (großen zugänglichen Datenmengen) um und was ist ein intelligenter Umgang mit Big Data? Wie soll die Nutzung von Open Data geregelt werden, unentgeltlich, als Flatrate-Datendownload wie beispielsweise bei iTunes oder Netflix?

In Zusammenhang mit Open und Big Data taucht immer wieder die Frage nach dem Datenschutz und der Datensicherheit auf. Anhand der aktuellen Gesetzeslage hat Herr Klaus Vitt (Staatssekretär des BMI) erläutert, dass Deutschland in puncto Datenschutz und -sicherheit gut aufgestellt ist. Es wurde aber auch angesprochen, dass ein Cyberangriff nie gänzlich ausgeschlossen werden kann, aber Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden können. Zudem wies er mit dem am 18.08.2017 in Kraft getretenen Onlinezugangsgesetz auf eine Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen hin. Hier steht das Ziel im Vordergrund einen Portalverbund des Bundes und der Länder zu schaffen, der als zentrale Stelle für digitale Verwaltungsleistungen zur Verfügung steht und damit nur eine einmalige Registrierung (single sign on) für alle Portale notwendig ist.

Neue Wege in der Nutzung von Satellitendaten werden vor allem durch das Europäische Raumfahrtprogramm Copernicus und seine Sentinel-Flotte bestimmt. Diese werden unter den Satellitenbetreibern und Datennutzern als „game changer“ bezeichnet, da beispielsweise die Satellitenzwillinge Sentinel I A und I B vom Typ SAR (Synthetic Aperture Radar) alle 6 Tage wetter- und beleuchtungsunabhängige weltweite Aufnahmen der Erde liefern. Das ist eine Datenfrequenz, die es vorher nicht gegeben hat. Zudem sind die Daten für jeden frei zugänglich (siehehttps://code-de.org/). Es können Bodenbewegungen über Zeitreihenanalysen leichter detektiert werden und damit z.B. Grundwasserabsenkungen, Risse in Staudämmen oder durch Geothermie ausgelöste Bodenabsenkungen zeitnah besser eingeschätzt und deren Folgen schneller bewältigt werden.

Die abbildende Spektroskopie zur Überwachung der Erdoberfläche beschreitet neue Wege. Bisher wurden Hyperspektral-Sensoren mittels Flugzeugüberfliegungen eingesetzt. Derzeit ist ein Hyperspektralsensor auf der internationalen Weltraumstation ISS im Einsatz. In Entwicklung und Planung befinden sich ein EnMAP-Satellit des DLR sowie ein Satellit der Sentinel-Reihe ausgestattet mit hyperspektralen Sensoren. Dabei wird das Licht von der Erdoberfläche reflektiert und über viele Kanäle aufgezeichnet. Die Möglichkeiten der Bilddateninterpretation und Folgenabschätzung sind vielfältig und reichen von Pflanzenstresseinschätzungen in der Landwirtschaft über die Kartierung von Pflanzengesellschaften bis hin zur Identifikation von Asbest auf Dächern, organischem Kohlenstoff im Oberboden von Ackerflächen, Plastik- und Mineralöl, Gewässergütebestimmung mittels Cyanobakterien, Trockenstress in Wäldern und der Unterscheidung von trockener Vegetation und offenem Boden. Unterhttp://www.enmap.org findet man ein Metadatenportal von Befliegungen und deren Aufnahmen mittels der EnMap-Technologie.

Unter der Kongresskategorie „Smart Cartography“ wurde über Neuigkeiten und Herausforderungen bezüglich des Geodatenmanagements berichtet. Eine Umfrage unter Wissenschaftlern, durchgeführt vom Fachinformationsdienst Kartographie und Geobasisdaten der Staatsbibliothek zu Berlin, hat ergeben, dass mehr als 50 % der Wissenschaftler den Zugang zu Geodaten als größtes Problem sehen; gefolgt von Restriktionen durch Lizenzen und Nutzungsbedingungen sowie in der Verfügbarkeit von Geodaten. Es wurde auch das zentrale Portal für Geodaten in Lehre und Forschung (http://www.geodata4edu.ch) aus der Schweiz vorgestellt, das als Vorreiter im wissenschaftlichen Bereich gilt. Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) stellte seinen Produktkatalog von Open Data für Privatpersonen und Gewerbe sowie die aktuellen Webpräsentationen von TopPlus-World für Bundesbehörden vor. Zudem wurden die Aufgaben des Dienstleistungszentrums erläutert. In der anschließenden Diskussion mit den Vortragenden und Vertretern der AdV (Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen) wurde von Nutzern ohne kartografischen und geodätischen Bezug ein zentrales Portal für Geodaten, eine vereinfachte Suche nach Themen (nicht Fachwörtern), ein benutzerfreundliches WebGIS mit intelligenter Aufbereitung und leichter Weiterverarbeitung (Interoperabilität) der Geodaten gefordert. Zudem wurde angesprochen, dass im Zuge der Digitalisierung auch über smartphonefähige Karten nachgedacht werden sollte. Dies sind Forderungen, die im Zuge der Umsetzung von INSPIRE gelöst werden sollten, allerdings ist bei der Frage nach anwendergerechten Daten nicht klar, was die Nutzer wollen und ob es überhaupt einen einheitlichen Nutzer gibt. Die Umsetzung wird bis 2020 dauern.

In der Podiumsdiskussion „Smart Mobility – Wohin geht die Reise?“ wurde schnell klar, dass der Einsatz der Technologie „autonomes Fahren“ noch am Anfang steht und im täglichen Leben nicht von einem völlig autonomen Auto ausgegangen werden kann, sondern von einer Teil- bis hin zu Hochautomatisierung des Fahrzeugs; allein schon wegen der Verantwortung vor dem Gesetzgeber als Fahrzeughalter. Auch hier wurde sich für eine Zentralisierung von Dienstleistungen ausgesprochen, wenn es darum geht in urbanen Gebieten schnellst möglich von A nach B zu kommen; konkret wurden smartphonefähige Lösungen mit einer statt zehn Apps gefordert. Weiterhin wurde die Ineffizienz bei der Nutzung von Fahrzeugen (stehende oder nur von einer Person genutzte Fahrzeuge) angesprochen, wobei es bereits praktikable Lösungen und Modelle verschiedener carsharing-Anbieter gibt. Dabei wurde auch klar, dass die Vernetzung unter den Akteuren, d.h. von Anbietern, Städten und Kommunen, Betreibern, nicht ausreichend vorhanden ist um neue Stadtideen zeitnah umzusetzen. Um Städte zukunftsfähig zu machen, braucht es intelligente mobile Lösungen und eine Verständigung auf einer gemeinsamen inhaltlichen Ebene.

 

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